Oktober 10, 2009

Von Kuhs auf der Weide zu schnarchenden Mitbewohnern

Hallo ihr Lieben,
nun ist wieder eine kleine Weile vergangen, seit wir uns das letzte Mal gemeldet haben und wir haben wieder einiges zu erzaehlen.
Angefangen hat alles mit Bobs Geburtstag, Zils Bruder, der Anlass zu einer kleinen Familienfeier war. Also trudelte am Freitag, als Jule und ich gerade damit beschaeftigt waren, wiedermal Tines Muell den sie im Garten fabriziert hatte, wegzurauemen (Iz und Mouna wurden fuer das Wochenende zu einer Freundin von Liz nach Forster gebracht weil unseren Hostmums einfiel, dass sie im Moment gar nicht genug Platz fuer vier Wwoofer hatten), der erste Teil der Familie- Bob, ein netter, aufgeschlossener Mann in den Fuenfzigern der immer ein Witzchen auf den Lippen hatte und Zils siebenjaehriger Enkel BJ- ein. Fuer uns war es sowieso schon ungewohnt, neue Gesichter zu sehen aber als Bob uns nach unserer Arbeit mit einem huebsch angerichteten Mittagessen ueberraschte und uns bat, sitzen zu bleiben und uns bedienen zu lassen, entdeckten wir neue Seiten an der Familie. Waehrnd sich Bob und Liz auf den Weg zum Schrotthaendler machten, pflueckten Jule und ich den Orangenbaum leer, kochten Lemonbutter und beschaeftigten uns mit BJ, der, schuechtern wie er war, mit einem Pappkarton auf dem Kopf auf uns zugekrochen kam. Wir spielten "Sandsturm" mit ihm und heizten ihn in seinem Karton ganz schoen ein indem wir den Karton hin und her schleuderten. Zwischendurch versicherten wir uns immer wieder, dass es ihm gutginge (da unsere Maegen das sicher nicht mitgemacht haetten) aber er bestaetigte nur immer wieder: "I am a kid that never feels dizzy." Nach dem Abendessen- jetzt kommt der Part an dem ihr erraten muesst, was es gab und ich wette ihr habt die richtige Antwort auf Lager- erreichten auch Zils Eltern (bzw ihre Mutter und deren neuer Mann) die Farm. Wir wunderten uns ueber den lustigen Akzent des Mannes, der sich so gerne selbst reden hoerte und uns nicht wirklich zu Wort kommen liess, bis er uns schliessliche eroeffnete, dass er Oesterreicher sei. Einerseits erfreute es uns natuerlich, nun jemanden zu haben, mit dem wir auch in unserer Muttersprache kommunizieren konnten, andererseits wuerden bissige Bemerkungen unsererseits nun nicht mehr unbeobachten bleiben. Wir mussten also auf der Hut sein.
Am naechsten Morgen (Sa) erwartete uns wohl eines der tollsten Erlebnisse in unserem Leben. Zil hatte uns im Vorfeld von Bobs Geburtstagsgeschenk erzaehlt- einer Whalewatchingtour- und sich bei uns erkundigt, ob wir fuer einen besonderen Preis den sie aushandeln wuerde, Interesse haetten, mitzukommen. Natuerlich hatten wir sofort zugestimmt und nun war es endlich soweit. Die gesamte Familie packte sich in regenfeste Sachen (denn das Wetter schien uns nicht bei unserem Plan unterstuetzen zu wollen) und fuellte die Taschen mit Digicams. Wir machten uns mit Zils Auto auf den Weg nach Forster, da wir zunaechst Iz und Mouna von dort abholen wollten (einerseits weil sie an der Tour teilnehmen wollten, andererseits weil in der Familie, in der sie untergebracht gewesen waren, etwas vorgefallen war, so dass sie nun eine neue Bleibe brauchten). Am Hafen von Forster trafen wir dann wieder auf den Rest der Familie, mit Ausnahme des Oesterreichers, der ein Essen fuer den Abend vorbereitete. Dann ging es los- sowohl unsere Tour als auch der Starkregen. Das Boot schaukelte aus Forster heraus, vorbei an Tuncurry ueber den Wallis Lake und schliesslich aufs Meer hinaus. Wir genossen den Wind, der uns wie wild um die Ohren pfiff und waren ueberrascht von der Kraft mit der er uns oefter von den Beinen riss. Schliesslich ertoente der erste Schrei und alle liefen hinaus um einen besseren Blick zu haben. "Delphine..." hiess es ueberall und wir hatten sie erneut nicht gesehn. Dann aber kam auch unsere Stunde. Zunaechst durften wir eine Walmutter mit ihrem Jungen beobachten, die uns auch ab und zu mit einem galanten Sprung ihren Koerper praesentierte. Im Regen, versuchten wir hilflos das, was sich dort vor unseren Augen abspielte, mit der Digicam festzuhalten und gleichzeitig waren wir total gebannt und konnten gar nicht wegschauen. Doch es kam noch besser. Ploetzlich gesellten sich ungefaehr zwanzig Delfine zu unserem Boot, machten Spruenge und schienen uns als Spielkameraden anzusehn. Das war wohl ein Moment, en wir nie wieder vergessen werden weil uns diese froehlichen, verspielten Tiere total in ihren Bann zogen. Auch auf der Rueckfahrt beobachteten wir noch ein paar Delfine an der Meerjungfrauengrotte bevor wir das Boot wieder verlassen und Iz und Mouna bei einer aelteren Dame in Forster absetzen mussten. Als wir wieder auf der Farm angekommen waren, machten sich Jule und ich daran, Erde umzuschippen, als uns ein ersehnter Besuch empfang. Daniel, Zils Sohn war aus der Naehe von Sydney gekommen und hatte Benni mitgebracht. Wir hatten uns viel zu erzaehlen und ausserdem war uns eine helfende Hand willkommen. Am Abend nahm uns Daniel mit nach Forster, waehrend der Rest der Familie ein Konzert besuchte. In einem Freizeitclub spielten wir Billiard, erzaehlten und genossen unseren ersten abendlichen Ausgang.
Am naechsten Tag erwartete uns wieder die Arbeit, genau genommen Tines Zeug. Wir sollten nun das Zimmer, in dem wir wohnten leer raeumen und all den vorhandenen Kram sortieren und saeubern. Nachdem wir vier Schraenke entleert und in ihr Haus getragen hatten, war unser Arbeitstag nach fuenf Stunden beendet und wir freuten uns auf den Abend, der Bobs Geburtstag gewidmet war. Eine Tafel erwartete uns, gedeckt mit Salatschuesselchen und Weinglaesern. Zur Vorspeise wurde uns Salat mit Meeresfruechten serviert, die Hauptspeise waren selbstgemachte Knoedel (jaaa, wir haben reingehauen), Rotkohl und Wildbraten- fast wie zu Hause ;) Die Nachspeise machte alles perfekt- Schwarzwaelderkirschtorte. Danach wurde noch viel gelacht und geredet und wir genossen es, einen kleinen Einblick in das Familienleben zu bekommen. Spaet in der Nacht rollten wir uns mit vollen Baeuchen ins Bett.
Am Montag stand der Tag der Abreise an. Waehrend Iz und Bob schon frueh aufbrachen, verabschiedeten sich Daniel und der Oesterreicher am Nachmittag, als wir schon wieder dabei waren, Baeume zu mulchen und den Garten herzurichten. In weitaus kleinerer Runde beendeten wir dann den Tag mit "Godsend"- jaa Lori, Zagery laesst gruessen!- und machten uns muede auf ins Bett.
Am naechten Tag verabschiedete sich dann auch Mouna und machte sich auf zu der Dame in Fraser Island, der wir eventuell auch noch einen Besuch abstatten werden. Gut, dachten wir uns, jetzt sind wir wieder mit Tine, Zil und Collin alleine. Aber ob das so richtig gut war, wussten wir nicht. Jedenfalls kuemmerten wir uns um die Mangobaeume und gaben ihnen Duenger auf dass die Mangos gut wachsen ;) BJ unterstuetzte uns dabei weil er sich wahrscheinlich sonst zu Tode gelangweilt haette. Anschliessend spielten wir mit ihm mit Styropor, taeuschten erneut einen Sturm vor waehrend er sich in die Kisten hockte, benutzten den Rest Styropor als Schwerter und bemuehten uns, die Unordnung, die wir hinterlassen hatten, zu beseitigen.
Unser letzter Arbeitstag war erneut dem Duengen gewidmet und so pflegten wir die letzten Baueme und genossen die Sonne, die uns nun auch Tschuess zu sagen schien. Etwas melancholisch, da die Zeit doch insgesamt schoen gewesen war, setzten wir uns mit einem Vanillepudding auf die Wiese, beobachteten die "Kuhs" (ja, mein Deutsch war auch mal besser) und gingen alles, was wir so auf der Possum Ridge erlbet hatten, nocheinmal mit Benni durch.
An unserem letzten Tag genossen wir unser letztes Fruehstueck mit vielen Orangen, Muesli und selbst gebackenem Brot mit Kuemmel. Danach machten wir uns etwas verspaetet auf zum Bahnhof und verabschiedeten uns von Zil, die ziemlich geruehrt war (Tine hatte sich gar nicht von uns verabschiedet.) und uebberreichten ihr unser Abschiedsgeschenk.
Dann stiegen wir in den Countrylinkzug und waren gespannt, was uns in Byron Bay so erwarten wuerde. Inzwischen sind wir also nach einer wunderschoenen, idyllischen Zugstrecke vorbei an gruenen Wiesen, Straenden und Bananenplantagen (unsere Mitfahrer waren allerdings weniger idyllisch: neben uns Punks und hinter uns ein Typ der uns die ganze Zeit vollgeruelpst hat) in Byron Bay angekommen. Aber so richtig Zeit zum relaxen hatten wir noch nicht. Erstmal waren wir wieder fleissig und haben uns um unsere naechste Woche gekuemmert, in der wir mit dem Bus nach Brisbane fahren werden und dort unsere lieben Besucher aus Deutschland (und die naechsten Werderinfos ;)) erwarten. Fliegt bloss schnell, wir freuen uns voll auf euch :) Nun wollen wir uns fuer unseren letzten Tag hier in Byron ein wenig Entspannung goennen und uns an den Strand packen und zum Cape Byron wandern...mal sehen, ob das Wetter mitspielt denn im Moment ziehen dunkle Wolken auf- man kann ja nicht immer Glueck haben ;)
Wir hoffen, dass es euch allen gut geht und freuen uns weiter ueber Kommentare ;)
Alles Liebe, die Jenni und die Jule

1 Kommentar:

  1. Australien ist ja voll wie Deutschland - Nervige Leute in der Bahn, vorlaute Österreicher, "Kuhs" auf der Weide ;-)

    Danke für Eure Berichte!

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